• Ingo Smula

Wie die „Heiligen 3 Frauen“ zu den „Heiligen 3 Königen“ wurden

Am 06. Januar, am Ende der Rauhnächte, ist es wieder soweit: Die Sternsinger ziehen nicht nur ins Bundeskanzleramt, sondern auch sonst von Tür zur Tür, um das Haus und deren Bewohner mit dem Schriftzeichen „C + M + B“ zu segnen.

„Klare Sache“, so denkt wohl jede/r von uns, „eine typische Günter Jauch-100 Euro-Frage“: Diese Zeichen bedeuten Caspar, Balthasar und Melchior, die Heiligen 3 Könige! Schließlich heißt dieser Tag auch „Drei-Königstag“ und wird vorzugsweise in südlichen Gefilden Deutschlands mit einem Umzug begangen.Nebenbei erwähnt: Die Kirche deutet diese Zeichen noch zusätzlich in „Christ + Mansionem + Benedicat“, „Christ schützt dieses Haus“ um.

Wer aber weiß schon, dass der Brauch an diesem Tag ursprünglich 3 keltisch- abendländischen Mutter- und Schicksalsgöttinnen gewidmet war?

Die Heiligen 3 Frauen - Glaube, Hoffnung und Liebe

Wilbeth, Ambeth und Borbeth bilden als Bethen die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenmutter. Geht es um Angelegenheiten wie Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier oder Feldern, für den Schutz der Arbeit in allen Erntezyklen, bei Geburten, Krankheiten und Tod, so waren die „3 saligen Frauen“ immer erste Wahl. Das Wort „salig“ ist das alte keltische Wort für Heil und Heilig (Heil bringend).

Auch in anderen Kulturen findet sich die Verehrung von 3 Frauen als Schicksals- und Muttergöttinnen wieder: die griechischen Moiren, die germanischen Nornen, der römischen Parzen.


Speziell am Ende der Rauhnächte in der Nacht zum und der Tag des 6. Januar treten die drei Bethen auf. Sie segnen Haus, Hof, Mensch und Vieh und als Zeichen, dass sie da gewesen waren, hinterließen sie drei „X X X“ bzw. während der Christianisierung „K x M x B“. Woraus dann später „K +M + B“ bzw. „C + M + B“ wurde. Achte auch hier auf die Feinheiten, aber dazu später mehr.

Wozu das alles?

Stell ́ Dir vor, Du willst eine patriarchisch-dominierende Weltreligion verbreiten und kämpfst dabei in Deinen Gebieten ständig gegen die Verehrung diverser Mutter- und Schicksalsgöttinnen unter wechselnden Namen an. Das Göttliche stand nur einem männlichem Gott zu und durfte vor allem nicht in der weiblichen Natur- und Erdverehrung zu finden sein.

Auch das weiblich Vergebende stand einem männlich Urteilendem gegenüber. Alle Versuche der Bekehrung, wie zum Beispiel die Umdeutung der alten Kult- und Opferplätze in Wallfahrtsorte, scheitern bzw. diese werden weiterhin für die Verehrung der weiblichen Göttlichkeit genutzt.

Da blieb nur noch die Möglichkeit der Änderung vom Matriarchat (Verehrung der Großen Göttin) in das Patriarchat (Väterherrschaft – Gott ist männlich). Es ging daher um nichts anderes, als die uralte keltische Bethen-Trinität endlich durch katholische Alternativen zu ersetzen.

Die Weisen aus dem Morgenland mussten – wie so oft andere Geschichten und Figuren des Christentums – dafür herhalten, den alten Göttinnen-Glauben zu überlagern. Wurden zuvor die Bethen schon in christliche heilige Jungfrauen umgewandelt, so erinnerte dies offenbar immer noch zu sehr an ihren Ursprung an die Göttinnen-Triade. Also wurden die drei Herren auf ihren Kamelen erfunden.

Die Geschichte, dass vor rund 2.000 Jahren da weder Heilige, noch 3, noch Könige nach Beth-lehem kamen, ist nun immer mehr und mehr bekannt. Im Matthäus-Evangelium ist lediglich die Rede davon, dass „Sterndeuter (Magier) aus dem Osten“ gekommen seien (Mt 2, 1-12), von denen auch keine Namen genannt werden.

Erst im 9. Jahrhundert nach Christus wurden sie mit den heute bekannten Namen Kaspar, Melchior und Balthasar ausgestattet. Dass die Anfangsbuchstaben des weit gereisten Trios „K + M + B“ mit jener seit langem allgegenwärtigen Frauen-Trinität „Katharina x Margarethe x Barbara“ ident sind, ist natürlich kein Zufall.

Das „X“ als Zeichen des Lebens

Auch die Heiligen 3 Könige schreiben ihren Segnung mit Kreide auf die Tür bzw. den Türrahmen: „K + M + B“. Allerdings erst mit ihnen findest Du zwischen den Segenszeichen das „+“ als Zeichen des Todes bzw. des Leidens vor, davor handelte es sich um das „X“ als Zeichen des Lebens:

Die Gebärhaltung bzw. das Empfangende, das hoffnungsfrohe Öffnen hin zur Erde und zum Himmel.

Die Symbolfarben

Auch die Symbolfarben wurden von den Kelten in die Christenheit übernommen:

Weiß: Wilbeth – Katharina – Melchior

Rot: Ambeth – Margarethe – Balthasar

Schwarz: Borbeth – Barbara – Kaspar

So bringt der Storch mit seinen Farben Weiß, Rot und Schwarz die Kinder und erinnert damit an die 3 Bethen mit ihren Eigenschaften an den ewigen Kreislaufs des Lebens: die weiße Wilbeth teilt das Schicksal zu, indem sie den Lebensfaden spinnt und symbolisiert somit den Lebenslauf, die rote Ambeth symbolisiert das ewige Leben und die schwarze Borbeth verkörpert die Mutter Erde, die mit ihrem Schoß Menschen gebärt und wieder in sich aufnimmt, indem sie den Lebensfaden abschneidet.


In der germanischen Mythologie wird der Storch mit Frau Holle in Verbindung gebracht. Als Hüterin der Schwelle wacht sie über den See, in dem die ungeborenen Kinder-seelen darauf warten, wiedergeboren zu werden. Der Storch fungiert als ihr Bote und bringt diese in die Welt. Auch hier finden wir das Element Wasser als Informationsträger, als Übergang vom Geistigen in das Materielle, wieder.

Beten heißt eigentlich “die Göttin anrufen“

Die Silbe „Beth“ in Am-, Bor- und Wilbeth ist der Name der Erdgöttin schlechthin, der sich bis heute in dem Bett, in dem wir schlafen, gehalten hat. Denn ursprünglich schliefen die Menschen nicht auf Matratzen, sondern auf der (Mutter-)Erde. Auch „beten“ und „bitten“ ist davon abgeleitet und heißt eigentlich „die Göttin anrufen“.

Im Keltischen heißt „bet“ immerwährend, ewig = unbesiegbares Leben. Die Bethen sind daher „die drei Ewigen“, sie sind der Inbegriff des immerwährenden, ewigen, unbesiegbaren Lebens. Von deren Macht und gütiger Hilfe künden Erde, Sonne und Mond als die sichtbaren Träger der ewigen Weltwirklichkeit. Das keltische Wort bit-u oder bit-o bedeutet nicht nur „ewiges Leben“ sondern auch „Welt“ – somit ist „bet“ die Gesamtheit unserer Welt, zu der auch die Ewigkeit gehört.


Und nicht zuletzt haben sich die Bethen in Märchen und Sagen erhalten: „Hätt ich nur ein Kind, so weiß wie Schnee (die Wangen), so rot wie Blut (die Lippen) und so schwarz wie Ebenholz (das Haar)“. Dieser Stoßseufzer der schwangeren Königin aus dem Märchen Schneewittchen stammt aus einer Zeit, als in Europa der Glaube an eine Muttergottheit nun nur noch versteckt in den Erzählungen der alten Frauen weiterlebte.

Eine Zeit, in der das weibliche Prinzip der Göttinnen-Dreifaltigkeit unangefochten als Quelle und Garant galt für

Licht, Fruchtbarkeit, Heilung, Geborgenheit, Wissen, Weisheit, Schutz, Warmherzigkeit, Leben/Tod/Wiedergeburt, Liebe, Freude und Glück

Und so findest Du am 6. Januar an meinem Türstock 3 große X X X – mit Kreide aufgetragen und dabei in Gedanken (Intention, Absicht, Achtsamkeit) an

Die drei Ewigen


© Ingo Smula 2021 / www.naturkraftkunde.de

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